Braun Tischlüfter HL1 | Ding des Monats November 2021

Ding des Monats November 2021
Braun Tischlüfter HL1

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Braun Tischlüfter HL1, Entwurf: Reinhold Weiss, 1961, Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Foto: Armin Herrmann 2021.

Lackierte Bodenplatte, verchromter Ständer, zylindrischer Motor und Rotor. Klar, geometrisch, reduziert. Form follows function. Klassisch Braun bzw. klassisch brAun. 

Entworfen hat das Elektro-Haushaltskleingerät mit dem schönen Namen „Multiwind“ Reinhold Weiss im Jahr 1961. Der Industriedesign-Absolvent der Hochschule für Gestaltung Ulm arbeitete von 1959-67 als Produktgestalter bei Braun und schuf in dieser Zeit eine Reihe von präzise gearbeiteten Geräten. Die Formschlüssigkeit seiner Arbeit zeigt sich beispielhaft am in das Motorgehäuse des Lüfters eingefügten Schalter. Zusammen mit Elementen wie der drehbaren und transparenten Plexiglasabdeckung der Schaufelblätter zeugt das Design von einem „haptischen Anreiz und entbehrt nicht eines gewissen Spielwerts“ – wie der Rat für Formgebung über den Tischlüfter anlässlich der Verleihung des Bundespreises „Gute Form“ urteilte.

Das querliegende Tangentialgetriebe mit 220-Volt-Motor beruht auf dem Laing-Eck-Prinzip (benannt nach den Entwicklern Nikolaus Johannes Laing und Bruno Eck), hat einen hohen Wirkungsgrad und ermöglicht einen nahezu geräuschlosen Betrieb. Vor allem diese Eigenschaft verhalf dem Tischlüfter zu einer gewissen politischen Berühmtheit: als stiller Luftkühler auf dem Rednerpult von John F. Kennedy bei dessen Rede in der Frankfurter Paulskirche 1963. Seinem bedingungslos modernen Aussehen verdankt der HL1 als Teil der Appartement-Einrichtung von Rick Deckard im Film Blade Runner von 1982 außerdem einen Platz im populärkulturellen Gedächtnis (zumindest von Braun- und Science-Fiction-Aficionados).

Der „Multiwind“ ist ein Klassiker des frühen Braun-Designs geworden und nicht nur in der Sammlung des MoMA vorhanden, sondern noch bis Ende November in unserer kleinen Sonderausstellung „Die Braun Idee. Zur Corporate Identity der Firma Braun 1954 bis 1972“ und danach wieder in der Dauerausstellung zu sehen.