Ein Corona-Ding? | Ding des Monats Mai 2020

Ding des Monats Mai 2020
Ein Corona-Ding?

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Badehaube. Marke: Fashy, Gummi-Kraus GmbH (heute: Fashy GmbH), Stuttgart, 1970er Jahre. Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Berlin. Foto: Armin Herrmann, 2020.

Badehaube

»Gibt es unvermeidlich suggestive Objekte? Gewiss nicht [...] denn der Mythos ist eine von der Geschichte gewählte Rede; aus der "Natur" der Dinge kann er nicht hervorgehen.« (Roland Barthes: Mythen des Alltags. Paris, 1957) 

Die schwarze, mit weißen Blütenapplikationen verzierte Badekappe der Marke Fashy wurde in den 1970er Jahren von der Gummi-Kraus GmbH produziert. Die aufgesetzten floralen Elemente erinnern in ihrer reigenhaften Bewegtheit an Tentakel von Seeanemonen.

Mit Einführung einer Badekappenpflicht als Hygienemaßnahme in öffentlichen Bädern in beiden Teilen Deutschlands ging deren industrielle Massenproduktion in den 1960er Jahren einher. Neben aerodynamischen Modellen für den Schwimmsport und der schon in den 1920er Jahren aufgekommenen, den Kopf fest umschließenden Kappe mit Kinnband koexistierte eine Vielzahl an ausgefallenen, pflegeaufwendigen Designs. Eine optimierte Filtertechnik zur Badewasseraufbereitung machte die Hygienevorschrift in den 1980er Jahren überflüssig. Die Firma Fashy GmbH vertreibt bis heute – neben Wärmeflaschen und sportlichen Badeutensilien aus Silikon – Badekappen mit Blüten, Rüschen oder aus gefaltetem Stoff als modische Accessoires.

Die Badehaube ist in der Schausammlung im Werkbundarchiv – Museum der Dinge zu sehen.