Zeitschrift »Gebrauchsgraphik« | Ding des Monats Juli 2020

Ding des Monats Juli 2020
Zeitschrift »Gebrauchsgraphik«

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Zeitschrift »Gebrauchsgraphik«. Sonderheft »Die amtliche Graphik des Reichs und ihre Auswirkung auf Kunst und Handwerk«, Heft 2, Jahrgang 2, 1925. Herausgeber: H. K. Frenzel und Edwin Redslob. Verlag: Phönix Illustrationsdruck und Verlag, Berlin. Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge.

Das Cover der Zeitschrift »Gebrauchsgraphik« aus dem Jahr 1925 zeigt einen expressionistischen Wappen-Entwurf des Gebrauchsgrafikers und Typografen Ernst Böhm (1890-1963). Der Name der Zeitschrift ist Programm: 1924 gegründet, widmet sie sich vor allem der zeitgenössischen Plakat- und Werbekunst und wurde eines der bedeutendsten Magazine für Design in der Weimarer Republik. Etliche Avantgardist*innen – vom Kontruktivisten El Lissitzky bis zu Vetreter*innen des Bauhauses – prägten darin das Bild einer sachlichen Werbegrafik der 1920er Jahre. Noch heute erscheint die Zeitschrift regelmäßig unter dem Titel »novum – World of Graphic Design«.

Herausgegeben wurde diese Ausgabe vom Verleger K. H. Frenzel und von Edwin Redslob, dem zu dieser Zeit für die Gestaltung staatlicher Dokumente und Wappen zuständigen Reichskunstwart. Das Sonderheft »Die amtliche Graphik des Reichs und ihre Auswirkung auf Kunst und Handwerk« thematisiert die Erneuerung einer staatlichen Symbolik – vom Wappen bis zur Briefmarke – und eines Corporate Design der ersten deutschen Demokratie nach der Revolution 1918/19.

Edwin Redslob, der avantgardistischen Moderne zugewandt, versuchte ein modernes und künstlerisches Bild der jungen Demokratie nach außen zu vermitteln. Die stilistische Historisierung der Nation lag ihm dabei fern, was bei der konservativen Presse und vor allem bei antidemokratisch gesinnten Politiker*innen auf Kritik stieß. 

Redslob sah gerade im expressiven Ausdruck avantgardistischer Entwürfe die Möglichkeit, die kaiserliche und preußisch-autoritäre Staatsraison – im Sinne einer von der Bevölkerung getragenen modernen Republik – hinter sich zu lassen. Es war sein Anliegen, die Identifizierung der Bevölkerung mit der parlamentarischen Demokratie noch weiter zu festigen. In einem Beitrag zur Amtlichen Graphik bezeichnete Redslob seine Arbeit im Untertitel treffend als "unbewusste Kunsterziehung".

Dieser sowie viele weitere Entwürfe für eine staatliche Formgebung in der Weimarer Republik sind bis zum 20. Oktober 2020 in der Sonderausstellung »Die Demokratie und ihre Adler« zu sehen.